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Jahresausflug - Café 60+

Mit 37 Personen machten wir uns auf den Weg in das Freilichtmuseum Hessenpark in Neu-Anspach, der1974 gegründet wurde, in einer Zeit, als in den Dörfern viele alte Häuser Platz für Neues machen mussten. Einige sollten gerettet werden als Zeitzeugen aus Holz und Stein.
Ausstellungsstücke sind Wohnhäuser, Werkstätten, Hofanlagen und Kirchen, sowie ein Arche-Park zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen: z. B. Rhönschaf, Deutsches Sattel-schwein, rotes Höhenvieh und Vorwerkhuhn.
Das farbige Vorwerkhuhn sollte nicht nur Eier legen, sondern auch repräsentativ sein. Es kann mit den heutigen Hennen in Legebetrieben nicht konkurieren und steht deshalb auf der Roten Liste. So ähnlich ist es mit dem Deutschen Sattelschwein, dass das ganze Jahr über im
Wald oder auf der Weide gehalten werden konnte. Seine dicke Speckschicht schützte es vor Nässe und Kälte. Die heutigen Verbraucher wünschen eher mageres Fleisch. In Hessen gibt es nur noch zwei Zuchtbetriebe, einen davon im Hessenpark.
Wir besichtigten u. a. das sogenannte Rauchhaus, erbaut um 1734, im Hessenpark 1978 wieder erichtet. Unsere Fremdenführerin erzählte uns hier einiges über das karge Leben einer bäuerlichen Familie in dieser lang vergangenen Zeit. Rauchhaus nennt man es, weil es in einem der beiden Räume eine Feuerstelle ohne Kaminanlage gab. Der Rauch wurde durch den hölzernen Abzug in das obere Geschoss geleitet, wo er Ratten, Mäuse und anderes Ungeziefer von dort gelagerten Feldfrüchten und sonstigen Vorräten fernhielt und eine konservierende Wirkung hatte. Das Haus war zweigeschossig und mit Stroh gedeckt. Die Familie bewohnte die beiden unteren Räume: Ern und Stube. Der Ern mit der Feuerstelle war der zentrale Raum des Hauses.
In der Stube wurde gegessen, gearbeitet, gefeiert und geschlafen.
Hier schliefen die Eltern, machmal auch die Großeltern in dem einzigen Bett, wenn sie nicht das Altenteilerzimmer im Obergeschoss nutzen konnten. Die kleinen Kinder hatten eine Wiege. Im Obergeschoss stand auch der Webstuhl in den Sommermonaten. Von November bis Februar aber stand er in der warmen Stube auf einer Stohschütte um die Feuerstelle herum oder in Scheune oder Stall. Eine bäuerliche Familie bestand meistens aus zehn bis zwölf Personen mit Mägden und Knechten.

Interessant war auch die Besichtigung eines alten Klassenzimmers. Wir zwängten uns in die kleinen Schulbänke und erfuhren einiges über die Schulbildung der vergangenen Zeit. Vor der Einführung der Schulpflicht in Hessen um 1830 war eine Bildung lediglich den Jungen vorbehalten. Sie mussten lernen, ihren zukünftigen Aufgaben in Haus und Hof gerecht zu werden. So schickten die Eltern ihre Söhne nur während der kalten Monate zur Schule. Für die Mädchen war Lesen und Schreiben unwichtig. Nach Einführung der allgemeinen Schulpflicht änderte sich das. Jungen und Mädchen wurden gleichermaßen für acht Jahre unterrichtet. Am Anfang des Unterrichtes wurde gebetet und gesungen.
Der Ofen wurde mit Holzscheiten betrieben, welche die Kinder selbst mitbringen mussten. Der in der Ausstellung gezeigte Rohrstock verdeutlichte die Tatsache, dass die Prügelstrafe ein gängiges Mittel war.
Unsere Führung, mit dem Titel: "Wie die Hessen früher lebten und arbeiteten" vermittelte uns einen Blick in die Vergangenheit. Die "Gute Alte Zeit" bestand aus Mühen und Plagen, aus harter Arbeit und eher bescheidenen Frreuden. Es wurde uns bewusst, wie privilegiert wir heute sind.

Gisela Wurthmann